Die Frage kommt fast immer zu spät. Meistens dann, wenn schon zwanzig Stunden in einen Baukasten geflossen sind und das Ergebnis irgendwie nicht so aussieht wie im Kopf. Deshalb hier vorweg die Entscheidungshilfe, die vor dem Anfangen hilft: Es geht nicht darum, ob Sie es können. Es geht darum, was Ihre Zeit wert ist und wie viel für Sie an dieser Website hängt.
Wir bauen Websites beruflich und haben trotzdem kein Interesse daran, Ihnen den Selbstbau auszureden, wenn er für Sie der richtige Weg ist. Es gibt Fälle, in denen er es ist. Diese Fälle stehen hier genauso drin wie die anderen.
Die kurze Antwort
- Selbst machen lohnt sich, wenn die Website vor allem ein digitales Namensschild ist und Sie Freude an der Sache haben.
- Machen lassen lohnt sich, sobald über die Website Kunden kommen sollen – also sobald sie ein Werkzeug ist und keine Visitenkarte.
- Rechnen Sie realistisch: 40 bis 60 Stunden für einen ordentlichen Selbstbau, plus laufende Pflege.
- Der häufigste teure Fehler: anfangen, nach der Hälfte aufgeben und dann trotzdem beauftragen. Dann zahlen Sie beides.
Was der Selbstbau wirklich kostet
Die Werbung der Baukasten-Anbieter suggeriert, eine Website entstehe an einem Nachmittag. Das stimmt für die Seite, die niemand besucht. Für eine, die etwas leisten soll, sieht die Rechnung anders aus.
Hier eine ehrliche Aufstellung für einen fünfseitigen Auftritt eines Wiener Kleinbetriebs, gerechnet für jemanden, der geübt am Computer ist, aber noch nie eine Website gebaut hat:
- Anbieter auswählen und einarbeiten: 4 bis 6 Stunden
- Struktur und Seiten anlegen: 3 bis 5 Stunden
- Texte schreiben: 10 bis 20 Stunden – das ist der Posten, den fast alle unterschätzen
- Bilder besorgen, zuschneiden, komprimieren: 4 bis 8 Stunden
- Mobile Ansicht in Ordnung bringen: 3 bis 6 Stunden
- Impressum, Datenschutz, Cookie-Hinweis: 2 bis 4 Stunden
- Kontaktformular, Karte, Öffnungszeiten: 2 bis 3 Stunden
- Grundlagen für Google: 4 bis 8 Stunden
Zusammen also grob 32 bis 60 Stunden. Dazu kommen die laufenden Kosten des Baukastens, je nach Anbieter zwischen 12 und 40 Euro im Monat, sowie später ein bis zwei Stunden im Monat für Aktualisierungen.
Rechnen Sie Ihren eigenen Stundensatz gegen. Wenn eine Stunde Ihrer Arbeit 60 Euro erwirtschaftet, kostet Sie der Selbstbau rechnerisch zwischen 1.900 und 3.600 Euro an nicht geleisteter Arbeit – und das ist mehr, als eine ordentliche Website bei einer Agentur kostet. Der Selbstbau ist also nur dann günstiger, wenn die Zeit tatsächlich übrig war.
Wann Selbermachen die richtige Entscheidung ist
Es gibt gute Gründe dafür, und sie haben wenig mit Geld zu tun:
- Die Website ist ein Nachweis, keine Verkaufsfläche. Wenn Ihre Kunden über Empfehlung kommen und die Seite nur bestätigt, dass es Sie wirklich gibt, reicht ein sauberer Baukasten völlig.
- Sie testen eine Idee. Bevor klar ist, ob ein Angebot funktioniert, ist es vernünftig, kein Geld in die Verpackung zu stecken.
- Sie wollen ständig etwas ändern. Wer wöchentlich Inhalte tauscht, ist mit einem selbst verwalteten System oft schneller.
- Es macht Ihnen Spaß. Das ist ein völlig legitimer Grund, und Sie lernen dabei viel darüber, wie das Internet funktioniert.
In diesen Fällen: Nehmen Sie einen der etablierten Baukästen, halten Sie es schlicht, und stecken Sie die gesparte Zeit in gute Texte und in Ihr Google Unternehmensprofil. Beides bringt mehr als jedes Design.
Wann Sie es abgeben sollten
Umgekehrt gibt es Situationen, in denen der Selbstbau fast immer teurer wird als das Beauftragen:
- Die Website soll Anfragen bringen. Sobald Kunden über Google kommen sollen, geht es nicht mehr um Optik, sondern um Struktur, Suchbegriffe und Messbarkeit. Das ist erlernbar, aber es ist ein eigener Beruf.
- Sie sind in einem umkämpften Feld. In Wien konkurrieren Sie mit Betrieben, die genau dafür bezahlen. Ein Baukasten-Auftritt fällt dagegen ab, und zwar sichtbar.
- Es hängt Umsatz daran. Wenn ein Kunde 3.000 Euro wert ist, entscheidet schon ein einziger zusätzlicher Auftrag darüber, ob sich die Website bezahlt gemacht hat.
- Sie brauchen Funktionen. Terminbuchung, Shop, Mehrsprachigkeit, Anbindung an Ihre Warenwirtschaft – hier hört der Baukasten schnell auf oder wird umständlich.
- Rechtssicherheit ist heikel. Ärzte, Anwälte, Finanzdienstleister und der Gesundheitsbereich haben Vorgaben, deren Verletzung Abmahnungen nach sich zieht.
Unsicher, in welche Kategorie Sie fallen? Wir sagen es Ihnen ehrlich – auch wenn die Antwort lautet, dass Sie es selbst machen sollten.
Kostenloses ErstgesprächDer Mittelweg, den kaum jemand kennt
Zwischen ganz allein und alles abgeben liegt eine Variante, die für viele Betriebe am besten passt: Die Agentur baut das Grundgerüst, richtet Struktur, Technik und Google-Grundlagen ein – und Sie pflegen die Inhalte danach selbst.
Das hat drei Vorteile. Sie zahlen einmalig statt laufend. Die schwierigen Teile, an denen der Selbstbau meistens scheitert, sind erledigt. Und Sie bleiben unabhängig, weil Sie Texte und Bilder jederzeit selbst ändern können, ohne für jede Kleinigkeit anzurufen.
Fragen Sie bei einem Angebot ausdrücklich danach. Nicht jede Agentur bietet es von sich aus an, weil laufende Betreuung für sie das bessere Geschäft ist.
Woran der Selbstbau typischerweise scheitert
An den Texten
Das Design ist nach zwei Abenden fertig, dann stehen überall Platzhalter. Texte über das eigene Unternehmen zu schreiben ist erstaunlich schwer, weil man zu nah dran ist. Viele Projekte bleiben genau hier liegen.
An der Handy-Ansicht
Am großen Bildschirm sieht alles gut aus. Am Telefon rutschen Bilder übereinander, Schrift wird winzig, Buttons sind nicht treffbar. Da über die Hälfte Ihrer Besucher mobil kommt, ist das kein Schönheitsfehler.
An der Unsichtbarkeit
Die Seite ist online und wird trotzdem nicht gefunden, weil niemand ihr gesagt hat, für welche Suchbegriffe sie eigentlich antreten soll. Mehr dazu in unserem Beitrag Wie komme ich bei Google nach oben?
Am Rechtlichen
Impressum und Datenschutzerklärung sind in Österreich Pflicht, und generierte Standardtexte passen oft nicht zum tatsächlichen Einsatz von Analyse- und Kartendiensten.
Häufige Fragen
Was kostet es, eine Website machen zu lassen?
Für kleine und mittlere Betriebe in Wien liegt eine professionelle Website meist zwischen 990 und 3.900 Euro, je nach Umfang. Ausführlich im Beitrag Was kostet eine Website in Wien?
Sind Baukästen schlecht für Google?
Nein, das ist ein Mythos. Die gängigen Anbieter erfüllen die technischen Grundanforderungen. Der Unterschied entsteht nicht durch die Technik, sondern durch die Inhalte und die Struktur – und die macht bei einem Selbstbau eben niemand, der weiß, worauf es ankommt.
Kann ich später von einem Baukasten wechseln?
Ja, aber es ist Aufwand. Texte und Bilder lassen sich mitnehmen, das Design nicht. Wichtig ist, dass Sie die Domain auf Ihren eigenen Namen registriert haben und nicht auf den des Anbieters. Prüfen Sie das, bevor Sie anfangen.
Wie lange dauert es bei einer Agentur?
Von der Beauftragung bis zur Freischaltung sind vier bis acht Wochen üblich. Der Löwenanteil geht dabei nicht für die Umsetzung drauf, sondern für Inhalte, Fotos und Abstimmungen – also für Dinge, bei denen Sie mitwirken müssen.
Die Entscheidung in einem Satz
Wenn Ihre Website nur bestätigen soll, dass es Sie gibt, machen Sie sie selbst. Wenn sie Kunden bringen soll, geben Sie sie ab – oder lassen Sie zumindest das Fundament bauen und pflegen Sie danach selbst.
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